Berichterstattung über Nachhaltigkeit: doppelt wesentlich!

In den ESRS, den Standards zur Erfüllung der Berichterstattungspflicht gemäß CSRD, ist das Konzept der doppelten Wesentlichkeit festgelegt. Ein Nachhaltigkeitsaspekt ist dann wesentlich (und damit zu berichten), sofern sich dadurch erhebliche potenzielle oder tatsächliche Auswirkungen auf Menschen oder Umwelt ergeben („impact materiality“) und/oder sofern sich dadurch kur-, mittel- oder langfristige erhebliche finanzielle Auswirkungen auf das Unternehmen ergeben oder ergeben können („financial materiality“). 

Bekanntlich gewinnt die Nachhaltigkeitsberichterstattung zunehmend an Bedeutung. Zum einen entwickelt sie sich mit der CSRD für viele Unternehmen zu einer rechtlichen Anforderung („compliant“). Darüber hinaus stellt sie aber für noch mehr Unternehmen, unabhängig von einer gesetzlichen Berichtspflicht Anforderung und Chance zugleich dar. Die Fähigkeit, nicht nur finanzielle Leistungskennzahlen, sondern auch Umwelt- und Sozialaspekte zu kommunizieren, ist entscheidend für das Vertrauen der Stakeholder und den langfristigen Unternehmenserfolg. Ein zentraler Aspekt dieser Berichterstattung ist die finanzielle Wesentlichkeit, die die Verbindung zwischen Nachhaltigkeit und wirtschaftlichem Erfolg herstellt.

Was ist „finanzielle Wesentlichkeit“?

Die finanzielle Wesentlichkeit bezieht sich auf die Identifizierung und Kommunikation von Umwelt- und Sozialrisiken sowie Chancen, die finanzielle Auswirkungen auf ein Unternehmen haben können. Sie geht über die bloße Berichterstattung von Nachhaltigkeitsinitiativen hinaus und erfasst die Bedeutung dieser Faktoren für die finanzielle Situation eines Unternehmens. Kurz gesagt, es geht darum, diejenigen Aspekte auszuwählen und zu berichten, die einen signifikanten Einfluss auf die finanzielle Performance und den Unternehmenswert haben bzw. haben könnten.

Warum ist die finanzielle Wesentlichkeit wichtig?

Erfüllung von Stakeholder-Erwartungen: 
Investoren, Kundinnen und Kunden, Mitarbeitende und andere Stakeholder haben zunehmend ein Interesse an der ESG-Performance (Umwelt, Soziales, Governance) von Unternehmen. Die finanzielle Wesentlichkeit stellt sicher, dass die relevantesten ESG-Aspekte identifiziert und berichtet werden, um das Vertrauen und die Zufriedenheit der Stakeholder zu fördern.

Risikomanagement: 
Unternehmen sind zunehmend Umwelt- und Sozialrisiken ausgesetzt, die potenziell finanzielle Auswirkungen haben können. Durch die Identifizierung und Bewertung dieser Risiken können Unternehmen Strategien entwickeln, um diese Risiken zu mindern und ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber unvorhergesehenen Ereignissen zu stärken.

Langfristige Wertsteigerung: 
Eine ganzheitliche Nachhaltigkeitsstrategie kann langfristig zu einer nachhaltigen Wertsteigerung des Unternehmens beitragen. Indem finanziell wesentliche Aspekte in die Entscheidungsfindung und Geschäftsstrategie integriert werden, können Unternehmen langfristige Chancen nutzen und sich den Herausforderungen einer sich wandelnden Geschäftswelt besserstellen.

Wie wird die finanzielle Wesentlichkeit im Rahmen der Berichterstattung gemäß den ESRS berücksichtigt? 

Die Bewertung der Wesentlichkeit ist der Ausgangspunkt für die Nachhaltigkeitsberichterstattung im Rahmen der ESRS. Nachhaltigkeitserklärung und finanzielle Berichterstattung wachsen zusammen. Die Nachhaltigkeitserklärung ist Teil des Lageberichts – und damit auch prüfungsrelevant. Bei der neuen Berichtspflicht muss über Nachhaltigkeitsaspekte mit wesentlichen finanziellen Auswirkungen berichtet werden. Darunter versteht man Risiken und Chancen, die sich kurz-, mittel- oder langfristig auf die finanzielle Situation auswirken. 

Hier wird unterschieden zwischen: 

  • aktuellen finanzielle Auswirkungen (Finanzielle Auswirkungen für die laufende Berichtsperiode, die in den primären Abschlussbestandteilen erfasst werden.)
  • erwarteten finanziellen Auswirkungen (Finanzielle Auswirkungen, die nicht den Erfassungskriterien für die Aufnahme in die Posten des Jahresabschlusses im Berichtszeitraum entsprechen und die nicht von den aktuellen finanziellen Auswirkungen erfasst werden.) 

Die Wesentlichkeit von Risiken und Chancen wird auf der Grundlage einer Kombination aus der Eintrittswahrscheinlichkeit und dem potenziellen Ausmaß der finanziellen Auswirkungen bewertet. 

FAZIT 

Die finanzielle Wesentlichkeit ist ein wesentlicher Bestandteil der Nachhaltigkeitserklärung und ebenso einer ganzheitlichen Nachhaltigkeitsstrategie. Sie ermöglicht es Unternehmen, nicht nur Nachhaltigkeitsinitiativen zu präsentieren, sondern auch die Verbindung zwischen Nachhaltigkeit und finanzieller Performance aufzuzeigen. Indem Unternehmen die finanzielle Wesentlichkeit in ihre Geschäftsstrategien integrieren, können sie langfristige Werte schaffen, Stakeholder-Vertrauen aufbauen und sich auf eine nachhaltige Zukunft vorbereiten.